Über 100 Jahre Strom aus der Region

Die Elektrizitäts-Genossenschaft Schonstett eG steht seit über einem Jahrhundert für eine zuverlässige, regionale Stromversorgung. Ihre Geschichte ist eng mit der Entwicklung der Gemeinden Schonstett, Vogtareuth, Halfing und Söchtenau verbunden – und zeigt, wie gemeinschaftliches Engagement die Energieversorgung einer ganzen Region sichern kann.

Die Anfänge der Stromversorgung in Schonstett

Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde in Schonstett Strom erzeugt – zunächst durch ein regionales Elektrizitätswerk, welches die Gemeinden Schonstett, Söchtenau, Halfing und Zillham mit Strom belieferte.

Doch schon kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs zeigte sich, dass die Stromversorgung nicht mehr ausreichend und zuverlässig war. Landwirte und Gewerbebetriebe waren auf eine stabile Energieversorgung angewiesen, etwa für landwirtschaftliche Maschinen und Betriebe.

Diese Situation führte zu einer gemeinsamen Initiative der Bürger der Region.

Gründung der Elektrizitätswerk-Genossenschaft Schonstett eG im Jahr 1919

Am 10. März 1919 versammelten sich 55 Bürger im Gasthaus Kollmann in Halfing zur Gründung der Elektrizitätsgenossenschaft Schonstett. Die Initiative ging maßgeblich von Pfarrer Josef Leismüller aus. Ziel war es, die Stromversorgung in eigener Verantwortung zu sichern und gemeinsam auszubauen.

Von Anfang an wurde die Genossenschaft von zwei Gremien geführt:

  • Vorstand für den operativen Betrieb
  • Aufsichtsrat zur Kontrolle und strategischen Ausrichtung

Wichtige Entscheidungen – etwa Investitionen, Netzbau oder größere Projekte – wurden gemeinschaftlich beschlossen und von den Mitgliedern in der Generalversammlung bestätigt.

Damit war früh klar: Die Energieversorgung sollte von der Region für die Region organisiert werden.

Selbstständigkeit und Entwicklung der Genossenschaft

In den 1920er-Jahren stand die Genossenschaft vor wichtigen Entscheidungen. Verschiedene Unternehmen versuchten, das Versorgungsgebiet zu übernehmen oder eigene Kraftwerke in der Region zu errichten. Die Mitglieder entschieden sich jedoch bewusst für einen eigenständigen Weg.

1924 wurde unter anderem beschlossen:

  • den Sitz der Genossenschaft nach Schonstett zu verlegen,
  • die Statuten der Genossenschaft anzupassen,
  • die Organisation neu aufzustellen.

Der Bau des E-Werkes Schonstett fand im Jahr 1909 statt

Elektrizitätswerk Schonstett Licht- und Kraftversorgung für die Gemeinden Schonstätt Söchtenau Halfing und Zillham

Herausforderungen in Kriegs- und Nachkriegszeit

Auch die Elektrizitätsgenossenschaft blieb von den Ereignissen des Zweiten Weltkriegs nicht verschont. Während der Kriegsjahre mussten Anlagen instand gehalten und der Betrieb trotz schwieriger Umstände aufrechterhalten werden.

Beim Einmarsch der amerikanischen Truppen im Mai 1945 kam der Monteur des Elektrizitätswerks tragisch ums Leben. Gleichzeitig mussten beschädigte Transformatoren und Leitungen repariert werden, um die Stromversorgung möglichst schnell wieder sicherzustellen.

Trotz der schwierigen Nachkriegszeit gelang es der Genossenschaft, die Versorgung stabil zu halten und das Netz weiter zu betreiben.

Diese Entscheidungen legten den Grundstein für die langfristige Unabhängigkeit der Energieversorgung in der Region

Ausbau und Modernisierung der Stromversorgung

In den folgenden Jahrzehnten wurde das Stromnetz kontinuierlich erweitert und modernisiert. Neue Trafostationen, Leitungen und Einspeisungen sorgten dafür, dass Haushalte, Landwirtschaft und Betriebe zuverlässig mit Energie versorgt werden konnten.

Mit wachsendem Strombedarf – etwa durch neue Wohngebiete, medizinische Einrichtungen oder Gewerbebetriebe – entwickelte sich die Elektrizitätsgenossenschaft stetig weiter und passte ihre Infrastruktur an die Anforderungen der Zeit an.

Die Energiegenossenschaft heute

Heute blickt die Elektrizitätsgenossenschaft Schonstett auf mehr als 100 Jahre Geschichte zurück. Seit der Errichtung des Wasserkraftwerks wird in der Region Strom erzeugt und verteilt – und die Genossenschaft trägt bis heute maßgeblich zur sicheren Energieversorgung der Gemeinden Schonstett, Vogtareuth, Halfing und Söchtenau bei.

Gerade in Zeiten der Energiewende gewinnen regionale Energiegenossenschaften wieder zunehmend an Bedeutung. Sie stehen für:

  • regionale Verantwortung
  • nachhaltige Energieversorgung
  • Mitbestimmung der Mitglieder
  • starke Verwurzelung in der Gemeinde